Ist die Empfehlung der DGE zum Fischverzehr unter Nachhaltigkeitsaspekten vertretbar?

Vorschläge zur Empfehlung der DGE zum Fischverzehr

Allgemein

 

 

  • Es ist sicher keine nachhaltige Entwicklung, Fisch und Meeresfrüchte lediglich durch andere tierische Lebensmittel zu ersetzen.
  • Der empfohlene Verzehr von 22,3 kg Fisch und Meeresfrüchten/Jahr liegt zumindest in der Größenordnung, die längerfristig pro Kopf der Weltbevölkerung verfügbar gemacht werden kann – wenn die Politik den eingangs skizzierten Problemfeldern Rechnung trägt und nachhaltige Wege der Fischwirtschaft unterstützt (bzw. die problematischen abstellt).


– Fisch ist das weltweit am meisten gehandelten Lebensmittel (Handelsvolumen
2006 ca. 85 Mrd. US-Dollar [2, 3], der Handelswert von Kaffee ist z. B.
nur etwa halb so viel). Für nachhaltige Handelsbeziehungen spielen nicht
nur ökologische, sondern auch soziale Aspekte eine wesentliche Rolle. Sie
sollten daher beim verantwortungsvollen „Sourcing“ des Handels bzw. beim
verantwortungsvollen Einkauf berücksichtigt werden.

– Bei Produkten aus der Aquakultur sollte aus Gründen der Nachhaltigkeit und
Produktsicherheit auf anerkannt Ökologische Herkunft geachtet werden.

 – Bei Produkten aus der Fischerei ist auf anerkannt Nachhaltige Herkunft zu
achten (Seriosität der Labels z. B. gemäß Greenpeace/WWF-Fischeinkaufsführer
prüfen).

– Insgesamt wurden im Jahr 2008 lediglich ca. 4% des direkt aus Drittländern
importierten Fischs auf dem Luftweg nach Deutschland transportiert, etwa
91 % kamen auf dem Seeweg nach Deutschland [4]. (Luftfracht ist energetisch
sehr aufwändig)

– Generell sind die fettarmen („weißfleischigen“) Seefische (Kabeljau, Rotbarsch,
Seezunge, Scholle oder Schellfisch…“: oft von Überfischung
betroffen, auch z. T. die hier aufgeführten Arten. Unproblematischere
marine Arten (z. B. Dorade, Wolfsbarsch) sollten genannt werden.

– Die Artenliste sollte um fettarmen Süßwasserfisch und evtl. andere Meeresfrüchte
erweitert werden (z. B. Karpfen, Pangasius, Tilapia, Viktoria barsch,
Shrimps, Muscheln), die z. T. aus der Aquakultur stammen.

– Zu prüfen wäre, ob die derzeit empfohlene Menge von fettarmem Seefisch
ernährungsphysiologisch notwendig ist oder ggf. durch fettreichen Seefisch
ersetzt werden könnte.

– Viele fettreiche Seefische, insbesondere die kleineren pelagischen Arten
(„Freiwasserfische“ oder auch „Schwarmfische“ wie Sardinen, Heringe, Makrelen)
stehen weit unten in der Nahrungskette und sind eher weniger von
Überfischung betroffen. Hier wäre eine gewisse Steigerung des Verzehrs
möglich.

– Tunfisch und Wildlachs sind als Produktgruppen allerdings – zumindest in
einigen Arten (Roter/Blauflossen-Tun, Atlantischer Wildlachs) – extrem von
Überfischung betroffen. Daher müsste die Empfehlung differenziert nach Arten erfolgen.

 Quelle: Ernährungsumschau Mai 2012

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok Ablehnen